Google Gemini wächst 17 Mal stärker als ChatGPT

Manu Magno
  • 10 März, 2026
  • 7 Min. Lesedauer
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Inhaltsverzeichnis

Die Steigerungsrate von Google Gemini liegt im Jahresvergleich um das 17fache über der von ChatGPT - und das wegen, nicht trotz KI.

Deutliche Unterschiede beim Wachstum

Der Konkurrenzkampf im Markt für KI-Tools verschärft sich deutlich: Zwar bleibt ChatGPT klarer Marktführer, doch beim Wachstum ziehen mehrere Wettbewerber vorbei. Nach aktuellen Daten des Web-Analyse-Dienstes Similarweb konnte ChatGPT im Jahresvergleich „nur“ um rund 37 Prozent zulegen. Im gleichen Zeitraum steigerte Google Gemini seine Nutzung jedoch um mehr als 643 Prozent – das entspricht einer etwa 17‑mal höheren Wachstumsrate.

Auf Platz zwei der Wachstumsrangliste liegt Grok von Elon Musks xAI mit einem Plus von 480 Prozent, gefolgt von Claude des US-Unternehmens Anthropic, das um 298 Prozent zulegte. Deutlich im Gegenwind befindet sich hingegen der chinesische Anbieter DeepSeek, der ein Minus von etwa 56 Prozent verzeichnete.

Wichtig: Bei diesen Werten handelt es sich um relative Veränderungen, nicht um absolute Marktanteile.

Schaut man auf die Marktanteile, ergibt sich ein differenziertes Bild. Je nach Datengrundlage schwanken die Zahlen, doch an der Spitzenposition von ChatGPT ändert das wenig. So weist Statcounter dem Angebot von OpenAI für Februar 2026 einen Marktanteil von knapp 80 Prozent zu. Google Gemini kommt in dieser Erhebung lediglich auf etwa 7,5 Prozent, obwohl das relative Wachstum derzeit deutlich dynamischer ausfällt. Similarweb betrachtet für seinen Vergleich die weltweiten Zugriffe auf die jeweiligen Websites und stellt den Stand vom Februar 2025 dem Stand vom Februar 2026 gegenüber.

Die Daten basieren auf Schätzungen und beanspruchen keine absolute Genauigkeit, verdeutlichen aber die Richtung der Marktbewegung.

Wie Google die Rolle von KI-Agenten sieht

In einem aktuellen Podcast hat Liz Reid, Vice President und Head of Search bei Google, erläutert, wie das Unternehmen die Rolle von KI im zukünftigen Internet einschätzt. Ihrer Ansicht nach wird ein großer Teil der Online-Interaktionen künftig von KI-Agenten übernommen, die im Auftrag der Nutzer handeln und dabei auch direkt miteinander kommunizieren können. Von einem „toten Internet“, in dem die KI nur noch mit KI spricht, will Reid jedoch nichts wissen. Menschen würden weiterhin Wert auf den direkten Austausch mit anderen Menschen legen und Informationen nicht ausschließlich über Agenten beziehen.

Für Google ist diese Entwicklung nach Reids Darstellung keine Bedrohung, sondern eine Chance. Die klassische Google-Suche verstehe sich als Werkzeug, das nicht nur von Menschen, sondern künftig auch von KI-Agenten genutzt werden könne, etwa um komplexere Aufgaben zu lösen oder Informationen zu aggregieren. Reid zieht einen Vergleich zum Übergang ins mobile Zeitalter: Auch damals sei Google mit Skepsis betrachtet worden, habe sich jedoch erfolgreich angepasst und die eigene Rolle im neuen Nutzungskontext ausgebaut.

Gemini und Google-Suche: Zwei Produkte, unterschiedliche Rollen

Im Podcast betont Reid außerdem, dass Google Gemini und die klassische Suche unterschiedliche Aufgaben erfüllen. Gemini sei in erster Linie als digitaler Assistent konzipiert, der Produktivität steigern und bei kreativen Aufgaben unterstützen soll – etwa beim Schreiben, Entwerfen oder Strukturieren von Inhalten. Die Google-Suche bleibe dagegen ein informationsorientiertes Werkzeug, dessen Kernaufgabe darin bestehe, Nutzer mit dem offenen Web und damit auch mit anderen Menschen zu verbinden.

Beide Produkte basieren zwar auf verwandten Technologien, und die Teams arbeiten eng zusammen, dennoch ist die zukünftige Produktarchitektur laut Reid bewusst offen gehalten. Möglich sei, dass sich Suche und Gemini weiter annähern und irgendwann verschmelzen, sich stärker voneinander entfernen oder dass aus der Entwicklung ein drittes, völlig neues Produkt hervorgeht. Google signalisiert damit, dass man die aktuelle Phase als Experimentier- und Übergangszeit versteht.

Mehr Suche statt weniger: Wie KI das Suchvolumen verändert

Einem weit verbreiteten Narrativ, wonach Chatbots wie ChatGPT die klassische Suche verdrängen könnten, widerspricht Reid klar. Viele Beobachter würden von einem Nullsummenspiel ausgehen: Jede Frage an ein KI-Modell gelte als „verlorene“ Suchanfrage für Google. Tatsächlich beobachte man aber eine andere Dynamik. Durch dialogorientierte KI-Schnittstellen sinke die Hemmschwelle, Fragen zu stellen – Nutzer formulierten mehr und komplexere Anliegen als früher.

Aufgaben, an denen Nutzer zuvor scheiterten oder für die sie das Internet gar nicht erst genutzt hätten, würden plötzlich bearbeitet, weil KI-Werkzeuge bei Recherche, Strukturierung und Umsetzung unterstützen. Dieser Effekt sorge dafür, dass der gesamte Markt für Informations- und Problemlösungsanfragen wachse, statt dass ein Kanal den anderen vollständig ersetzt. Ein weiterer Faktor ist laut Reid die Einführung der AI Overviews in der Google-Suche. Die neuen KI-gestützten Antwortboxen seien von Nutzern schnell angenommen worden und hätten dazu beigetragen, dass die Suche insgesamt häufiger genutzt wird.

Unsere Einschätzung

Wie sich das Zusammenspiel von Suchmaschine, Assistenten und agentischer KI weiterentwickelt, ist noch nicht genau abzuschätzen. Klar ist jedoch: Statt eines simplen Entweder-oder zwischen Internet-Suche und Chatbot zeichnet sich ein wachsender, diverser Markt für digitale Informations- und Interaktionsformen ab.

Manu Magno
Manu Magno

Manu ist seit Oktober 2020 Teil des Backlinked-Teams und leitet seit Oktober 2022 die Redaktion. Der gelernte Technik-Journalist hat in den vergangenen Jahren vor allem Erfahrung in den Bereichen (Automobil)Versicherung, Buchhaltung/Inkasso und Jobvermittlung gesammelt. Er schreibt für User, nicht für Suchmaschinen: Seine SEO-Texte haben immer den Mehrwert der Nutzer im Fokus.

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