Google hat seine Suchergebnisse in Europa umgebaut, um den Digital Markets Act (DMA) zu erfüllen und spricht nun selbst vom größten Qualitätsverlust in der 29-jährigen Geschichte der Suchmaschine. Betroffen sind vor allem Suchen zu Hotels, Flügen und Restaurants. Parallel dazu lockert Google auch seine Strafen gegen Parasite SEO in Europa. Was steckt hinter beiden Änderungen steckt und welche Folgen hat das?
Preisvergleichsportale wie Booking und Expedia rücken nach oben
Im Zentrum der Änderung stehen sogenannte Vertical Search Services (VSS), also Preisvergleichsseiten wie Booking.com oder Expedia. Diese erhalten in den neuen Suchergebnissen deutlich mehr Sichtbarkeit, und zwar zu Lasten von Einzelunternehmen wie Hotels, die bislang nur mit einem regulären Website-Eintrag vertreten waren.
Konkret sieht der neue Aufbau so aus:
- Ein spezialisierter Suchdienst wird ganz oben in den Ergebnissen angezeigt.
- Zwei weitere Anbieter folgen mit weniger Details.
- Darunter erscheint ein Karussell mit Hotels, Airlines und Restaurants, jedoch ohne Echtzeit-Preise oder Verfügbarkeiten.
- Die Reihenfolge innerhalb dieser Struktur bestimmt weiterhin Googles Algorithmus.
Nach Angaben von Google verlieren Hotels dadurch mehr als 10 Prozent ihres Traffics, während der Traffic zu den großen Vermittlerseiten stabil bleibt. Nutzer außerhalb der EU sind von der Umstellung nicht betroffen, wie Google-SVP Nick Fox deutlich zu erkennen gibt:
"Diese Änderungen verschlechtern die Nutzererfahrung für Europäer, sie bevorzugen Online-Vermittler zu Lasten lokaler Unternehmen und entfernen hilfreiche Funktionen, auf die sich Menschen täglich verlassen. Nutzer außerhalb der EU sind von diesen Änderungen nicht betroffen."
Hintergrund: 460-Millionen-Euro-Strafe und die DMA-Auflagen
Ausgangspunkt der Umstellung ist eine Entscheidung der EU-Kommission: Sie hatte Google vorgeworfen, eigene Dienste wie Flights, Hotels, Shopping und Sports in den Suchergebnissen zu bevorzugen, also ein Verstoß gegen den DMA. Im Juli verhängte die Kommission deswegen eine Strafe von 460 Millionen Euro und setzte Google eine Frist von 60 Tagen, um die Suchergebnisse anzupassen, andernfalls drohen laufende Strafzahlungen von bis zu 5 Prozent des weltweiten Jahresumsatzes. Insgesamt hat Google damit inzwischen rund 10,38 Milliarden Euro an EU-Kartellstrafen angesammelt.
Google lockert zusätzlich seine Regeln gegen Parasite SEO in der EWR
Bereits Ende August hatte Google eine zweite, separate Änderung angekündigt: Manuelle Maßnahmen im Rahmen der Site-Reputation-Abuse-Policy werden im Europäischen Wirtschaftsraum (EWR) ab dem 30. August nicht mehr durchgesetzt: ebenfalls eine Auflage der EU-Kommission.
Das bedeutet konkret:
- Websites erhalten weiterhin eine manuelle Maßnahme in der Search Console, wenn Drittinhalte gegen die Richtlinie verstoßen.
- Für Suchende innerhalb der EWR wirkt sich diese Maßnahme jedoch nicht mehr aus.
- Für Suchende außerhalb der EWR bleibt die Maßnahme weiterhin wirksam.
- Betroffene Seitenbereiche können algorithmisch dennoch als eigenständig eingestuft werden und dann unabhängig vom Rest der Domain ranken.
Damit wendet Google zum ersten Mal überhaupt unterschiedliche Regeln für dieselbe Spam-Richtlinie an, je nachdem, aus welcher Region eine Suchanfrage kommt.
Was das für Website-Betreiber in Europa bedeutet
Für Unternehmen mit europäischer Zielgruppe ergeben sich aus beiden Änderungen konkrete Konsequenzen:
- Hotels, Airlines und Restaurants sollten mit spürbaren Sichtbarkeits- und Traffic-Verlusten bei entsprechenden Suchanfragen rechnen, da Preisvergleichsportale bevorzugt angezeigt werden.
- Betreiber von Nischenseiten unter fremder Domain-Authority (klassisches Parasite-SEO-Setup) müssen in der EWR vorerst weniger strenge Konsequenzen fürchten, außerhalb der EWR jedoch, gelten die bisherigen, härteren Regeln unverändert weiter.
- Wer international sichtbar sein will, sollte im Blick behalten, dass Google’s Maßnahmen je nach Suchregion unterschiedlich ausfallen können, ein Novum, das sich auch auf künftige Google-Richtlinien auswirken könnte.
Ob und wie stark sich beide Änderungen langfristig auf die europäische SEO- und GEO-Landschaft auswirken, bleibt abzuwarten.
Klar ist allerdings schon jetzt: Google selbst rechnet mit den bislang spürbarsten Einschnitten in der eigenen Suchqualität und macht daraus auch keinen Hehl.
Quellen: Search Engine Roundtable, Search Engine Land, Reuters
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