Wieso das DR von ahrefs als KPI eine Bullshit-Number ist

Timo Gierse
  • 05 Nov., 2025
  • 12 Min. Lesedauer
  • 0 Kommentar(e)
Inhaltsverzeichnis

Disclaimer: Dieser Beitrag setzt voraus, dass du die Metrik Domain Rating (DR) bereits kennst. In unserem Wiki-Artikel über das Domain Rating haben wir alle allgemeinen Infos für dich aufbereitet.

Jeder SEO kennt das Domain Rating (DR) von ahrefs. Es wird ständig in Sales-Pitches, Agentur-Reports und im Marketing herumgeworfen, als wäre es die ultimative Metrik für die Autorität einer Website.

Aber ist es das wirklich?

Spoiler: Nein. Meine These: Das Domain Rating als KPI ist eine Bullshit-Number. Proof. Me. Wrong!

Das DR ist keine Google-Metrik, kein Rankingfaktor und oft schlicht eine leicht zu nennende KPI, um den Chef vom angeblichen Erfolg der Linkbuilding-Maßnahmen zu überzeugen.

In diesem Artikel zeige ich dir, warum das Domain Rating häufig überschätzt wird - und worauf du stattdessen achten solltest. Dennis hat dieses Thema in seinem Beitrag über die Top 11 Linkbuilding Mythen bereits angerissen. Hier gibt es jetzt den vollen Einblick in die meistgenutzte Metrik im Linkbuilding: Das Domain Rating.

Was weiß ahrefs, was wir nicht wissen?

Das Domain Rating (DR) ist eine eigens von ahrefs entwickelte Metrik, die auf einer Skala von 0-100 angibt, wie stark das Backlink-Profil einer Domain im Vergleich zu anderen ist. Wenn wir uns die Faktoren zur Berechnung des DR anschauen, wird aber auf den zweiten Blick schon deutlich, wieso das DR nicht wirklich aussagekräftig ist: Was bedeutet “Qualität” und wie soll ein Drittanbieter-Tool wie ahrefs sicherstellen, dass die Qualitätsfaktoren zur Bewertung von Backlinks die richtigen sind?

Fakt ist: Wir können ziemlich genau nachvollziehen, wie sich das Domain Rating ergibt - und im Umkehrschluss auch erkennen, welche ausschlaggebenden Faktoren für die reale Autoritätsbewertung von Links fehlen.

Das macht das DR nicht nur ungenau, sondern auch gefährlich. Schauen wir uns einen konkreten Fall an, um nachzuvollziehen, was das Domain Rating wirklich aussagt.

Nehmen wir die Domain flf-book.de als Beispiel:

Screenshot von ahres zeigt den Überblick der relevanten Metriken von flf-book.de. Unter anderem 75 DR.
Quelle: app.ahrefs.com, Übersicht
Screenshot von ahrefs zeigt einen Überblick der organsichen Positionsverteilung von flf-book.de.
Quelle: app.ahrefs.com, Organische Positionen

Diese Seite hat ein Domain Rating von 75. Isoliert betrachtet sieht das auf einer Skala von 0-100 natürlich top aus. Aber wie soll ein Link von einer Seite, die nur 10 Traffic aus 7 Top 20 Rankings gewinnt (Stand: November 2025), nach den Bewertungskriterien von Google wertvoll sein?

Die Aussagekraft des Domain Ratings sinkt noch weiter, zieht man die oft zum Vergleich herangezogene Metrik, den Semrush Authority Score (AS), heran. Diese Metrik ist gerade in Bezug auf Backlinks viel aussagekräftiger, da sie neben der Stärke des Linkprofils zusätzlich die Positionierung von organischen Rankings und den daraus entstehenden organischen Traffic sowie Spamfaktoren (Natürlichkeit des Linkprofils) in die Bewertung mit einfließen lässt. 

Screenshot der Metrikenübersicht von flf-book.de aus dem Backlinked Marktplatz.
(Quelle: Backlinked App, Abweichender Trafficwert zu ahrefs, da Traffic immer zum 01. eines Monats aktualisiert wird)

Mit einem AS (Authority Score von Semrush) von 19 kann man bei flf-book.de unter Betrachtung von 12 monatlichem Traffic tatsächlich davon ausgehen, dass das Linkprofil einigermaßen hochwertig ist. Der AS gibt trotz der schlechten Sichtbarkeit mit einem Score von 19 eine relativ gute Bewertung. Macht das diesen Link dadurch für Google autoritär? Ich habe da meine Zweifel.

Tipp

Der letzte Screenshot zeigt die Metrikenübersicht von flf-book.de aus unserem Marktplatz. In den Übersichten taucht dieser Link jedoch nicht auf, da er durch unseren Qualitätsfilter ausgeschlossen wird.

Was passiert, wenn man solchen Links blind vertraut?

Ein reales Beispiel eines Käufers von einem zu flf-book.de vergleichbaren Link macht deutlich, dass ein hohes DR ohne Sichtbarkeit problematisch ist: Im Mai 2025 hat ein Kunde für sein Projekt einen Link einer vergleichbaren Domain gekauft. Das DR dieser verlinkenden Domain liegt bei 90 mit einem aktuellen monatlichen Traffic von unter 100. Der Authority Score dieser Domain beträgt ebenfalls 19.

 Es wurden nach unserer Erkenntnis parallel keine anderen Links auf diese URL gesetzt.

Screenshot zeit einen Graphen aus ahrefs. Das Domain Rating ist im Juni schlagartig auf 30 gestiegen. Direkt danach ist der Traffic massiv eingebrochen.
Quelle: app.ahrefs.com, Performanceübersicht (Kundendaten aus Datenschutzgründen nicht angegeben)

Das Domain Rating ist bereits im Mai von 2 auf 9 gestiegen und gelangte anschließend zu seinem Peak von 30 DR im Juni. Auf das Domain Rating hatte der Link also direkten positiven Einfluss.

Der organische Traffic der URL, die als Linkziel gedient hat, ist anschließend jedoch eingebrochen.

Das Problem liegt im blinden Vertrauen in das DR

Das Ergebnis von dem oftmals blinden Vertrauen in das Domain Rating ist ein Kreislauf. 

  1. Marketingverantwortliche und SEOs bauen Links mit einem hohen DR auf.
  2. Die einzige Erwartungshaltung ist, dass das eigene Domain Rating steigt - und das tut es.
  3. Dieses Ergebnis gilt als Beweis, dass der gesetzte Link funktioniert.
  4. Es werden weitere Links nach demselben Prinzip gekauft.

Dieser Kreislauf wird letztendlich durch ausbleibende echte Erfolge, also Trafficsteigerungen, durchbrochen. 

Aus Erfahrung kann ich sagen: Linkbuilding mit solchen Schein-Autoritäten bringen keine Rankings nach oben - nur das Domain Rating. Aber dafür sollte man kein Geld bezahlen.

Ist das Domain Rating deswegen Blödsinn?

Nein. Das Domain Rating als qualitative Metrik für den Linkaufbau zu nutzen, ist valide. Nur eben nicht als einziger Faktor. Eine hochwertige verlinkende Seite sollte belebt sein, ein gesundes Verhältnis eingehender und ausgehender Links haben und bestenfalls thematisch rund und zu deiner Seite passend sein. 

Tipp

Nichts ersetzt einen Blick auf die Seite selbst. Ich denke, wenn du diesen Beitrag liest, ist die Chance hoch, dass du dich mit Websites auskennst und ein gutes erstes Bauchgefühl dafür hast, ob eine Seite gut ist oder nicht. 🙂

Wie bewertet man dann Backlinks?

Aus der langjährigen Erfahrung im Linkbuilding ist das hier meine Liste von Metriken, die ich initial zur Bewertung von Links heranziehe - priorisiert von oben nach unten:

  1. Organischer Traffic: Ist die Seite belebt? Wo kommt der organische Traffic her? Ein Blick in die Top-Rankings gibt Aufschluss.
  2. Themenrelevanz bzw. Themenkohärenz (bspw. bei neutralen Nachrichtenseiten): Ist der Content thematisch passend zum Zweck der Seite? Wenn ja, ist das ein gutes Zeichen.
  3. Drittanbieter-Metriken: Alle anderen Metriken wie Domain Rating, Authority Score, Domain Authority, Sichtbarkeitsindex, Trust Flow oder Citation Flow runden in gemeinsamer Betrachtung das Bild ab. Der Sichtbarkeitsindex ist hierbei allerdings die aussagekräftigste (vor allem im DACH-Raum), denn hier wird die Sichtbarkeit in einer Branche bewertet - ebenfalls ein Faktor für Google.

Außerdem sollte die Entwicklung der Domain betrachtet werden. Eine Domain, die erst 6 Monate alt ist, hat in der Regel keine hohen Werte bei den Drittanbieter-Metriken wie DR oder AS. Dennoch kann ein Link sehr wertvoll sein.

Was sagt Google über Drittanbieter Metriken?

Es sollte an dieser Stelle schon klar sein. Google selbst nutzt natürlich keine der von SEOs so oft rezitierten und genutzten Drittanbieter-Metriken.

“Once again, no, Google does not use scores from third-party SEO tools for search. However, that doesn’t mean that they’re all useless.”

- John Muller via searchenginejournal.com

Und auch die Aussagen über Metriken, die das Linkbuilding direkt betreffen, sind von Google eher selten. Dennoch gibt beispielsweise John Muller von Google selbst gute Hilfestellung im Umgang mit Drittanbieter-Metriken wie dem DR.

John Muller hat in diesem Beitrag des zuvor verlinkten Searchenginejournal außerdem davor gewarnt, sich zu sehr auf Metriken von SEO Tools zu verlassen.

Die Key Takeaways des Beitrags lauten: 

  1. While potentially useful, third-party SEO metrics shouldn’t be the primary focus of optimization efforts. 
  2. Dramatic changes in these metrics don’t reflect changes in how search engines view your site. 
  3. Focus on creating unique content rather than chasing tool-based metrics. 
  4. Understand the limitations and sources of SEO tool data

- Matt G. Southern

Übersetzt:

  1. Obwohl Metriken von Drittanbietern potenziell nützlich sein können, sollten sie nicht im Mittelpunkt der Optimierungsarbeit stehen.
  2. Starke Schwankungen in diesen Kennzahlen spiegeln keine Veränderungen wider, wie Suchmaschinen deine Website tatsächlich bewerten.
  3. Konzentriere dich lieber darauf, einzigartige und hochwertige Inhalte zu erstellen, anstatt Tool-basierten Metriken hinterherzujagen.
  4. Verstehe außerdem die Grenzen und Datenquellen dieser SEO-Tools

Mein Fazit: Maßlos überschätzt aber nicht gänzlich sinnlos

Drittanbieter-Metriken werden von SEOs oft als einzig wahre KPIs verkauft. Sie sind einfacher zu beeinflussen als das Tracking von Conversions im Onlineshop des Kunden und leider auch manipulierbar.

Sie sagen isoliert betrachtet so gut wie nichts über den Erfolg einer Website aus. ABER:

Werden Drittanbieter-Metriken wie das DR als das genutzt, was es ist, haben sie ihre Daseinsberechtigung. Sie geben Anreize und Impulse an Stellen, die uns im Alltagsgeschäft dabei helfen, möglichen Problemen oder besonderen Erfolgen auf die Spur zu gehen. 

Wenn das DR steigt, ist das für mich als SEO Verantwortlichen der Anlass zu schauen, wo dieser Anstieg herkommt. Aber da endet eben die Reise nicht. Die Veränderung der Metrik ist der Impuls zur Analyse und nicht einfach eine neue Zahl, die ich meinem Kunden reporte.

Falls du mehr über den sicheren Aufbau von qualitativen Backlinks erfahren möchtest, empfehlen wir unseren Guide Backlinks aufbauen: Das Backlink 1×1.

Und solltest du direkte Unterstützung im Linkbuilding oder bei der allgemeinen Suchmaschinenoptimierung benötigen, bietet unsere Consulting-Abteilung außerdem einen individuellen Service an. Hierbei wirst du auf Basis von regelmäßigen Analysen strategisch beraten und erhältst effektive Kampagnenplanungen ohne Zusatzkosten oder Vertragsbindung.

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Timo Gierse
Timo Gierse

Timo ist SEO Experte mit einer Spezialisierung auf die Erarbeitung von ganzheitlichen SEO Strategien. Nach dem Abschluss einer Ausbildung zum Medienkaufmann Digital und Print hat er bis Ende 2017 als Produktmanager in einem der zehn größten Fachverlage Deutschlands strategische Marketingplanungen erarbeitet. Seit Ende 2018 leitet er das Key Account Management und baut seitdem sein Fachwissen im Bereich SEO mit Praxisbezug durch die Betreuung zahlreicher Kunden weiter aus.

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